Maria

Die Bibel über Maria

Maria, die Mutter Jesu, gehört sicher zu den bekanntesten Gestalten der Bibel. Das Lukasevangelium legt nahe, daß sie aus einer priesterlichen Familie  (Lk 1,36; Lk 1,5) stammt, was aber im Gegensatz zur Überlieferung steht, daß Jesus über seine Mutter ein Nachfahre des Königs David sei (Lk 1,32). Wiederum führt das Matthäusevangelium die Davidsohnschaft Jesu auf seinen Vater Josef zurück (Mt 1,2-16).


Madonna mit dem Kind aus dem Altarschrein der Kirche zu Limbach vor der Restaurierung

So können wir ganz unbefangen davon ausgehen, dass Jesus für einen Spross der Ehe zwischen Josef und Maria zu halten (z.B. Mt 1,1-16). Selbst das Lukasevangelium spricht ganz unbekümmert von Maria und Josef als den "Eltern" Jesu (Lk 2,39-52), obwohl gerade auch Lukas die Jungfrauengeburt Jesu überliefert (Lk 1,26-38).

Außer Jesus dem Erstgeborenen (Lk 2,7), hatte M. noch mindestens 6 weitere Kinder (Mk 6,3). In den Anfängen der Wirksamkeit Jesu in Kapernaum scheint Maria mit ihren anderen Söhnen in seiner Nähe gelebt zu, allerdings ohne zum Jüngerkreis zu gehören haben (Mk 3,21.31ff.; Joh 2,12). Sie teilte wohl zunächst mit vielen anderen Menschen das Unverständnis gegenüber dem Auftreten Jesu (Mk 3, 21) und zählt darum sogar für Jesus nicht zu denen, die unter dem Ja Familie Gottes stehen (Mk 332-35; Lk 11,27.28).

Auch am Geschehen um Leiden und Tod Jesu hat sie keinen Anteil. Erst nach Ostern gehört sie mit Jesu Brüdern und Jüngern zum Kern der ersten Gemeinde (Apg 1,14), vielleicht als Folge einer Erscheinung Jesu, die ihrem Sohn Jakobus zuteil geworden war (1Kor 15,7). Ob sie selbst den Auferstandenen sah und ob sie an Pfingsten teilhatte, ist nicht überliefert. Ebenso fehlen Nachrichten über ihren Tod.

Schon die biblische Überlieferung schreibt Maria besondere Fähigkeiten zu, und zwar mit dem Ziel, ein Vorbild des Glaubens zu zeigen und die besondere Bedeutung Jesu zu unterstreichen. So zeigt uns Lukas die Maria voll demütigen Glaubens (1,38.48) und zugleich eine prophetische Sängerin (Lk 1,46-55). Sie wird als Zeugin des wahren Menschseins wie auch der göttlichen Herkunft Jesu vorgeführt. Um letztere Eigenschaft Jesu zu unterstreichen, bildetet sich die Überlieferung Jungfrauengeburt Jesu heraus.

Die Jungfrauengeburt

Das Neue Testament sieht Jesus als wirklichen Menschen, wie z.B. die Nennung der Eltern Maria und Josef zeigt. Nur zwei Bibelstellen rücken ausdrücklich von der Vaterschaft Josefs ab und sprechen von der Zeugung aus dem Geist (Lk 1,26-38; Mt 1,18-25). Maria wird mittelbar (Mt 1,23) oder unmittelbar (Lk 1,27) Jungfrau genannt. Die Christen ehrten Jesus mit dem Titel "Sohn Gottes"; von daher lag es nahe nahe, diesen Titel durch die von Gott gewirkte wundersame Geburt aus einer Jungfrau zu veranschaulichen. Solche Vorstellungen waren in der Antike durchaus nicht fremd: Die Behauptung der Zeugung aus dem Geist will die theologische Bedeutung bzw. die Würde des so Gezeugten, aber keinen biologischen Sachverhalt ausdrücken. Auf Jesus angewandt hat die Tradition der Jungfrauengeburt also die Funktion, die Bedeutung Jesu hervorzuheben.

Allerdings begann schon früh die Biologisierung dieser Vorstellung, die dieses Thema bis heute belastet.

Im biologischen Sinne ist die Jungfrauengeburt Jesu für den Glauben an Jesus Christus nicht nötig. Sie ist weder eine unerläßliche Voraussetzung der Sündlosigkeit Jesu noch eine Bedingung seiner Gottessohnschaft. Das biologische Verständnis der Begriffe der "Vaterschaft Gottes" und der "Gottesohnschaft Jesu" steht im Widerspruch zu ihrem biblischen Sinn. Die "Geburt aus Gott" und die irdische Erzeugung konkurrieren nicht miteinander. Ebensowenig hat die Jungfrauengeburt mit der sündlosen Reinheit zu tun, die der Glaube Jesus zuschreibt, es sei denn, der geschlechtliche Akt müsse als sündig und sündig machend angesehen werden, was aber auch im klaren Widerspruch zum biblischen und christlichen Denken steht.

Wir sollten die Jungfrauengeburt die Bedeutung eines Zeichens zumessen: Die Geburt Jesu ist neben dem natürlichen Vorgang der Geburt eines Kindes zugleich ein schöpferischer Akt Gottes in einem Sinn, der von keiner anderen menschlichen Geburt gilt: In der Erzeugung und Geburt Jesu geschieht die Menschwerdung Gottes und der Anfang der neuen Menschheit. Der Glaube an Menschwerdung Gottes in Jesus Christus ist nicht an den biologischen Sinn der Jungfrauengeburt gebunden und wird daher auch durch die Einsicht in den legendären Charakter der Berichte über die Zeugung aus dem Heiligen Geist nicht berührt.

Marienverehrung

Erst im 6. Jh. begannen die abendländischen Kirchen die in den Ostkirchen schon verbreiteten Marienverehrung in Hymen, Gebeten, Legenden und Festen zu übernehmen. Das geschah zunächst zögerlich, denn erst seit dem Ende des 1. Jahrtausends sind auch im Abendland zahlreiche Legenden von der wunderwirkenden Kraft des Gebets zu Maria bekannt. Während in der östlichen Marienverehrung eine über alle Engelchöre erhabene Himmelskönigin im Zentrum gestanden hatte, nahm Maria im Westen immer mehr menschliche Züge an. Ihre Wirkungsmöglichkeit wird vor allem darin gesehen, daß sie durch den Hinweis auf ihre Mutterbrust den Zorn ihres Sohnes beschwichtigt. und unter ihrem Mantel die zu ihr Fliehenden vor seinem Gericht schützt.

Hatte schon im Osten die Gestalt Marias Elemente aus dem Kult der vorderasiatischen Muttergottheiten übernommen, so nahm sie im Westen Züge der keltischen und germanischen Göttinnen auf. Die Marienverehrung verband sich mit alten Berg-, Wasser- und Baumheiligtümern, wie die Namen von Wallfahrtsorten (Marienberg, Maria-Laach, Maria-Bründl, Maria-Eich) zeigen. An solchen wurden und werden wundertätige Gnadenbilder verehrt.

Die Marienverehrung fand in den theologischen und geistlichen Strömungen verschieden Ausprägung wurde aber insbesondere ein Teil der Volksfrömmigkeit. Die verbreitetste Gebetsform wurde im 12. Jh. das Ave Maria, dessen biblische Grußworte (Lk 1,28. 42) erst 1500 durch eine kurze Bitte um Beistand in der Sterbestunde ergänzt wurden. Die beliebteste Form dieses Mariengebetes ist der Rosenkranz, bei welchem die Gottesmutter in enger Verbindung mit der Heilsgeschichte betrachtet wird.

Nachdem sie in der Aufklärungszeit in maßvolle Grenzen gedrängt worden war, dehnte die Marienverehrung sich im 19. Jh. z.B. auch durch zahlreiche Marienerscheinungen immer mehr aus und ist bis heute unverzichtbarer Bestandteil katholischer Frömmigkeit. Auch der derzeitige Papst Johannes Paul II. ist bekannt für seine hingebungsvolle Marienverehrung. Die Marienverehrung wurde auch durch die Verkündigung neuer Dogmen gesteigert: das Dogma von der unbefleckten Empfängnis (1854) und das Dogma der leiblichen Aufnahme Marias in den Himmel (1950). Diese Lehren gelten bis heute als heilsnotwendig.

Luther sah in Maria ein Vorbild des Glaubens und der Demut. Er lehnte es aber ab, sie im Gebet als Fürbitterin anzurufen, da dies zentrale evangelische Lehre in Frage stellen würde, wonach das Heil des Menschen allein durch Christus gewährt wird. Gestützt wird die Ablehnung der Verehrung Mariens als Himmelskönigin auch durch das reformatorische Schriftprinzip, wonach als Glaubenswarheit nur gelten darf, was durch die Bibel gedeckt ist. Zwar zielt auch aus katholisch-theologischer Sicht die Verehrung Mariens letztlich auf die Verehrung Christi, es ist aber sehr fraglich, ob die Gläubigen diese feinen Unterschiede nachvollziehen. Die evangelische Kritik der Marienverehrung behält aus dieser Sicht ihr Recht.

In diesem Licht ist es sicher richtig, daß der Kirchenvorstand die vom Denkmalschutz angeregte Wiederherstellung des fehlenden Lilienzepters rechter Hand nicht zugestimmt hat. Dieses war anscheinend im Zuge der Reformation mit Bedacht aus Marias rechter Hand entfernt worden.

Der Name Maria

Der Name Maria ist die gräzisierte Form des hebräischen Marjam oder Mirjam. Die Bedeutung des Namens ist unsicher: Vorgeschlagen wird "Die Widerspenstige", "Die Bittere, "Die Wohlbeleibte" aber auch "Die Prächtige", "Wunschkind" oder gar "Melkerin".

Quelle: Die Religion in Geschichte und Gegenwart; DIRECTMEDIA Publishing GmbH, Berlin 2000